Geschichte des Aufderhöher Schützenvereins

Es begann vor über 120 Jahren....
 
Anno 1885: Kaiser Wilhelm I. regiert im Deutschen Reich. Otto Fürst von Bismarck schwingt als Ministerpräsident das Zepter. Die erste Unfallversicherung wird ins Leben gerufen und bedeutet für die vielen Arbeiter einen wesentlichen sozialen Fortschritt. Der deutsche Kolonialismus erlebt mit der Einverleibung von Ostafrika einen weiteren Höhepunkt. Aber die Jahre vor der Jahrhundertwende werden auch durch ein weiteres Merkmal charakterisiert, das von großer Bedeutung ist, wenn es auch in den Geschichtsbüchern keine Beachtung findet. Denn in diesen Zeiten hatte das Vereinsleben im Deutschen Reich Hochkonjunktur. Interessengemeinschaften fanden zueinander und Klubs und Vereine schossen wie Pilze aus dem Boden. 
 
So fanden sich auch im kleinen Örtchen "Auf der Höhe" am 20. Juni 1885 ca. 20 ehrbare junge Männer in der Gaststätte des Wirtes Ferdinand Heinrichs mit dem festen Vorsatz zusammen, einen Schützenverein zu gründen. Und die beim standesgemäßen Bier geschmiedeten Pläne wurden schnell in den Plan umgesetzt. Nur eine Woche später - am 27. Juni 1885 - fand die Gründungsversammlung statt. August Rohden, Robert Fassbender, August Voos, Gottfried  Hendrichs, Gustav Weck, Karl Scheidtmann, Julius und Eduard Hindrichs waren die Gründungsmitglieder, die den "Höher Schützenverein" aus der Taufe hoben.  Nur ein Jahr nach der Vereinsgründung wurde das erste Schützenfest ausgerichtet. Beim Festball weihte der Ohligser Bürgermeister Gläßner die erste Vereinsfahne. Der Vorsitzende Robert Fassbender sprach voller Stolz den damals üblichen Kaiser-Toast und Albert Schäfer dürfte sich als erster Schützenkönig feiern lassen.
 
1889 bereit gehörte das Schützenfest zu den Höhepunkten des kulturellen Lebens in Aufderhöhe. Und auch der Sport kam nicht zu kurz. Vogel-, Stern- und Preisschiessen wurden ausgetragen bei denen die benachbarten Vereine ihre besten Schützen im Rennen um attraktive Sachpreise, welche zu jener Zeit üblich waren , schickten. So durfte Carl Evertz vom Ohligser Schützenverein als Sieger des Ehrenpreisschiessens den Stoff für eine neue Schützenjacke mit in den Nachbarort nehmen. Der zweitplatzierte Hugo Evertz musste mit einer Kugeltasche vorlieb nehmen. Beim anschließenden Prunkball zu Ehren des Aufderhöher Schützenkönigs Julius Hindrichs spielte der Ohligser Musikverein.
 
Unbeschadet überstand der Aufderhöher Schützenverein den ersten Weltkrieg. 1923 übernahm Wilhelm Janssen die Vereinsführung, sorgte in den folgenden 15 Jahren für eine stetig steigende Mitgliederzahl, ehe der zweite Weltkrieg wie bei allen anderen Vereinen einen jähen einschnitt brachte. Doch schon 1949 fanden die verbliebenen Mitglieder wieder zusammen. Unter der Leitung von Willi Stamm fand der traditionsreiche Verein schnell zur alten Blüte zurück. Neun Jahre später waren den Aufderhöher Schützen 230 Mitglieder angeschlossen, soviel wie nie zuvor. 1955 präsentierten die Schützen mit großem Stolz erstmals einen Kaiser. Ernst Haas, der bereits 1925 die Königwürde trug, erwies sich beim Königsschiessen erneut als treffsicherster Schütze.
 
1960 - im Jahr des 75jährigen Vereinsbestehens - weihten die Schützen in Aufderhöhe ein Ehrenmal zur Erinnerung an die gefallenen Mitglieder der beiden Weltkriege ein.
 
Auch vor dem  100jährigen Jubiläum hatten sich die Schützen etwas einfallen lassen. Eine neue Schiessanlage sollte zum 100. Geburtstag des Vereins eingeweiht und in Betrieb genommen werden. Bereits mehrere Jahre zuvor wurde mit dem Sparen begonnen, und jede überzählige Mark auf einem Sparkonto angelegt. 1984 waren die Planungen hierfür abgeschlossen und somit konnten die Bauarbeiten in Angriff genommen werden. Doch nun machten einige Anwohner den Schützen einen Strich durch die Rechnung. Sie befürchteten durch die nahe Schießanlage eine unzumutbare Belästigung und legten bei der Stadt Einspruch gegen dieses Projekt ein. Damit waren nicht nur die Pläne des Vereins gestorben. Erhebliche Vorlaufkosten trieben die traditionsreichen Schützen an den Rand des Ruins.
 
Im Vorlauf zum 100jährigen Bestehens des Vereins wurde beschlossen, das ein offen ausgeschossener König aller bisherigen Aufderhöher Könige, also ein Kaiser mit seiner Partnerin, die Aufderhöher Schützen als Repräsentanten vertreten sollte. Im Jahr 1984 konnte sich dann nach einem zähen Ringen der König des Jahres 1978/1979 Peter Burmeister, die Kaiserwürde für das Jahr 1984/1985 sichern und stand somit mit seiner Frau Margret den Aufderhöhern in dieser Jubiläumssession vor.
 
Im Jahr 1989 wurde der seit 1971 im Amt befindliche Ferdi Stamm von Uwe Pesch als 1. Vorsitzender der Aufderhöher Schützen abgelöst und unser Schützenbruder Paul-Jürgen Schmidt konnte sich die Bezirkskönigswürde für das Schützenjahr 1989/1990 sichern und hatte somit die Ehre den Bezirk 05 Bergisch Land beim Landeskönigsschiessen 1990 anlässlich des 39. Rheinischen Schützentages in Essen vertreten.
 
1992 musste die Aufderhöher Schützen einen weiteren Rückschlag verarbeiten. Der Hochstand mit Schießhaus hinter dem Vereinslokal "Bergischer Hof" war durch die Stadtsparkasse erworben worden und diese sollten dann 1995 einem Sparkassenneubau weichen. Nach der Krönung der Majestäten für das Schützenjahr 1992/1993 Axel und Manuela Marschner wurde dann mit einem großen Zapfenstreich auf dem angrenzenden Busbahnhof, offiziell Abschied genommen. Durch Entgegenkommen der Sparkasse konnte der Schießstand 1993 und 1994 noch einmal für die Schützenfestschiessen genutzt werden, der offizielle Festteil wie Krönungsball und Schützenball musste ab sofort jedoch im Saal des Vereinlokals "Bergischer Hof" abgehalten werden.
 
Ein neues Vereinsheim fand der Schützenverein auf dem städtischen Bauhof auf der Hansastrasse in Solingen-Ohligs. Das Schiessen auf dem Hochstand fand ab sofort auf dem Hochstand des Ohligser SV (heute Ohligser Schützengemeinschaft 1875/1903) statt.
 
Bestimmt durch Unstimmigkeiten innerhalb des Vereins fand 1995 kein Schützenfest statt, der bis dahin amtierende Vorsitzende Uwe Pesch, wie auch andere Vorstandsmitglieder traten von ihren Posten zurück, und der Grossteil der Mitglieder kehrte dem Verein den Rücken. Joachim Kürten übernahm kommissarisch den Vorsitz des Vereins um ihn in Folge  wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen zu können und 1996 wieder ein Schützenfest im Saal des Bergischen Hof abhalten zu können.
 
Zwischen 1997 und 2002 feierte die Aufderhöher Schützen dann das Schützenfest in der Wipperaue, welche durch den Kinderkönig des Jahres 1967/1968 Michael Wieden und seiner Familie geführt wurde, bevor man im Jahr 2002 dann in den Bergischen Hof, welcher unter Führung neuer Pächter stand, zurückkehrte.
 
Ab dem Jahr 2000 wurde der Schiessporttechnische Bereich intensiviert, entsprechende Übungsleiter fachlich geschult sowie zusätzlichen Disziplinen, wie das Schiessen mit dem Kleinkalibergewehr auf 100m sowie das Schiessen mit dem Zimmerstutzen, ins Sportprogramm aufgenommen und die bestehenden Disziplinen intensiviert, was sich unter anderem im Jugendbereich durch den 2maligen Gewinn des Paul-Schallbruch-Pokals für die erfolgreichste Jugendarbeit widerspiegelt.
 
Ebenfalls im Jahr 2000 wurde erstmalig in der Geschichte des Vereins ein Prinz unter den Jungschützen des Vereins ausgeschossen. Erster Prinz wurde niemand anders als der letzte Kinderkönig, Christoph Stoppe. Darüber hinaus konnte er, ebenfalls erstmalig in der Geschichte des Vereins, noch die Würde des Bezirksjugendkönigs des Bezirks 05 Bergisch Land erringen und dürften somit am Landesjugendkönigsschiessen in Bingen, welches 2001 zeitgleich mit unserem Schützenfest stattfand, teilnehmen.
 
2003 wurde dann mit Bärbel Klaas die erste weibliche Majestäten, die erste regierende Aufderhöher Königin gekrönt. Ebenfalls wurde in diesem Jahr das Hochstandschiessen von Ohligs auf den neu gebauten Hochstand des SV 1926 Leverkusen-Bürrig  verlagert, da der Ohligser Stand durch die Polizeibehörde geschlossen worden war und auch heute mit dem Hochstand in Rheindorf und Bürrig nur noch 2 Stände zur Verfügung stehen.
 
2004 wurde der langjährige 2.Vorsitzende und Vorsitzende der Jahre 1969 bis 1971, Friedel Schweitzer zum ersten Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt.
 
Nachdem in den Folgejahren mit Bodo und Hanna Holtwick (2006-2007), Peter und Gabi Kohl (2007-2008) sowie Bärbel Klaas (2008-2009) zwei weitere Kaiserpaare und eine regierende Kaiserin proklamiert und gekrönt werden konnten, ging es mit großen Schritte auf das 125jährige Jubiläum zu. Nach 5 kaiserlichen Regenten in 124 Jahren Vereinsbestehen hatte man beschlossen, die Majestäten für das 125. Jubeljahr so zu ermitteln, wie es schon 100jährigen Jubiläum gemacht worden war, sprich die Majestäten reel auszuschiesen. Hier konnte sich dann unter 3 Bewerbern, der König des Jahres 2005/2006 Tobias Kürten mit dem 178. Schuss die Kaiserwürde für das Jubiläumsjahr 2009/2010 sichern. Während er im Buchenhof in Wald in Amt und Würden gebracht wurde, da das Vereinslokal Bergischer Hof, aufgrund Leerstands nicht zur Verfügung stand, konnte er nach allen Jubiläumsveranstaltungen, wieder im Saal des Vereinslokals, die Regentschaft an das Kaiserpaar Joachim und Martina Kürten, übergeben.
 
Im September 2011 gelang es unserem amtierenden König Wolfgang Schwiertz auf dem Stand in Hückeswagen als Zweiter nach Paul-Jürgen Schmidt die Bezirkskönigswürde zu erringen und durfte im April 2012 dann beim Schützentag in Gymnich um die Würde des Landeskönigs schiessen.
 
2012 gab es wieder einmal Veränderungen im geschäftsführenden Vorstand. Nach über 25 Jahren im Vorstand schied der 1. Kassierer Bodo Holtwick gesundheitsbedingt ebenso wie der 2. Vorsitzende Dirk Klaas aus seinem Amt aus. Die Nachfolge von Bodo übernahm die bisherige 2. Kassiererin Petra Fröhlen während Michael Stamm in das Amt des 2. Vorsitzenden gewählt wurde.
 
2013 qualifizierte sich mit Christa Goldkamp erstmals, zumindest soweit uns bekannt, eine Starterin der Aufderhöher Schützen für die Deutschen Meisterschaften im Luftgewehr freihand in der Seniorinnenklasse.
 
Im Jahr 2014 verstarb im Alter von 87 Jahren unser Ehrenvorsitzender Friedel Schweitzer. Im Rahmen der Schützenfestversammlung im Juni 2014 erklärte unser 1. Vorsitzender Joachim Kürten, auf der Jahreshauptversammlung 2015, nach 19 Jahren an der Spitze der Aufderhöher Schützen, aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt des 1. Vorsitzenden auszuscheiden. Auf dem Schützenfest konnte Yvonne Kürten, nach unserer Schützenschwester Bärbel Klaas, als 2. regierende Königin des Vereins proklamiert und gekrönt werden und trat die Nachfolge des amtierenden Kaisers Markus Zaß an. Beim Kreisfest wurden wir bei der Vergabe des Haasenpokals mit dem 2. Platz und einem Preisgeld von 75 Euro für die Jugendkasse belohnt.
 
Auf der Jahreshauptversammlung 2015 wurde der bisherige 2. Vorsitzende Michael Stamm zum Nachfolger von Joachim Kürten gewählt. der bisherige Schriftführer Peter Kohl wurde zum 2. Vorsitzenden gewählt, seine Nachfolge trat der bisherige Schiessmeister Tobias Kürten an, welcher wiederum von Markus Zaß beerbt wurde. Den Posten der Kassiererin übernahm Martina Kürten von Petra Fröhlen. Es gab einen Besitzerwechsel des im Vereinslokal "Bergischer Hof" welcher wieder einmal einen Leerstand verursachte und uns wieder einmal dazu zwang unsere Heimat Aufderhöhe zu verlassen und unser Schützenfest 2015 in der Festhalle in Ohligs zu feiern. Hier wurde unsere 2. regierende Königin Yvonne Kürten, durch niemand anderen als den Vorsitzenden Michael Stamm mit seiner Frau Lena als Regenten abgelöst. Unser neuer Prinz Jens Gärtner hatte eine Woche später dann erneut Grund zur Freude. Auf dem Stand des SV Freischütz Langenberg konnte er sich als 2. Aufderhöher Jungschützenprinz des Titel des Bezirksjugendkönigs sichern, und somit am Landesjugendkönigsschießen im April 2016 teilnehmen. Als Dank um seine Verdienste als Vorsitzender der Aufderhöher Schützen wurde Joachim Kürten zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
 
Quelle:  1885 bis 1985:Jahrbuch 1985 "Sport - Made in Solingen"
            1985 bis 2016: Vereinseigenes Archiv
 
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